Servicestelle: Kommunlaer Klimaschutz

Servicestelle: Kommunlaer Klimaschutz

Deutsches Institut für Urbanistik

Servicestelle: Kommunlaer Klimaschutz

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Die BMU Klimaschutzinitiative

Blick auf ein erfolgreiches Jahr als Klimaschutzmanager in Bad Hersfeld

Foto: Guido Spohr, Klimaschutzmanager in Bad HersfeldSeit Mai 2009 ist Guido Spohr in der Kreisstadt Bad Hersfeld (30.000 Einwohner) als Klimaschutzmanager zur Umsetzung des städtischen Klimaschutzkonzepts aktiv. Möglich war die Einstellung des gelernten Stadtplaners nicht zuletzt aufgrund einer Förderzusage des Bundesumweltministeriums für die ersten drei Jahre einer solchen „beratenden Begleitung“. Die „Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz" hat Guido Spohr gebeten, von seinen vielfältigen Aufgaben in Bad Hersfeld zu berichten.

Hier sein Bericht:

Von der Idee zur Umsetzung
2007 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Aktualisierung der 1997 erstellten Energie- und CO2-Bilanz sowie die Erstellung eines praktikablen, flächenbezogenen Konzeptes zur Verbesserung des Klimaschutzes und der Luftqualität. Dieses Konzept gibt seit September 2008 konkrete Handlungsempfehlungen, bspw. für die Bereiche des privaten Wohngebäudebestands, Kleinverbraucher und das Themenfeld „Kommune als Vorbild“. Der CO2-Emittent Verkehr wurde nicht betrachtet. Zur Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes stellte die Kreisstadt im September 2008 einen Förderantrag zur Einstellung eines Klimaschutzmanagers an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Dieser Antrag wurde im März 2009 positiv beschieden. Nach der dreijährigen Förderung geht die Stadt in die Vollfinanzierung der Stelle. Positiv (und die Arbeit des Klimaschutzmanagers sehr erleichternd) ist die Tatsache, dass sowohl die Stadtpolitik, die Verwaltung als auch die Geschäftsführung der Stadtwerke Bad Hersfeld GmbH ihre volle Unterstützung zeigen und das Thema mit hoher Priorität kommunalpolitisch behandeln. Dies zeigt sich auch bei der Verortung der Stelle, nämlich bei den Stadtwerken. Die formale Angliederung ist bei der Stadt Bad Hersfeld und hier im Fachbereich Immobilienmanagement. Regelmäßige monatliche Abstimmungsgespräche zwischen der Stadtverwaltung und den Stadtwerken gewährleisten einen regelmäßigen Informationsabgleich.

Aufgabenfelder des Klimaschutzmanagers
Die Aufgabe des Klimaschutzmanagers ist es, das vorliegende Klimaschutzkonzept schrittweise umzusetzen und fortzuentwickeln. Der Klimaschutzmanager soll nach städtischer Auffassung Motor für eine nachhaltige Entwicklung im Bereich der Energieeffizienz und des Klimaschutzes sein. Seine zentrale Tätigkeit ist die Koordination, Initiierung und Umsetzung von Klimaschutzprojekten unter Einbeziehung von Bürgern, Verwaltung, Stadtwerken, Unternehmen, Multiplikatoren und sonstigen Stellen, die für den Energieeinsatz relevant sind. Der Manager ist somit Steuerer, Moderator und Kümmerer eines langen Umsetzungsprozesses sowie Vernetzer vieler lokaler Akteure.

Der Klimaschutzmanager soll außerdem „die Energie versprühen, um andere zu motivieren, Energie einzusparen“! Das Begeistern für den Klimaschutz sowie die Kommunikation der Projekte in der öffentlichkeit sind eine wichtige Aufgabe. Hierzu bedarf es einer hohen Kommunikationskompetenz. Abschließend ist es Aufgabe des Klimaschutzmanagers, die kommunalen Aktivitäten im Bereich Klimaschutz regelmäßig hinsichtlich der Zielerreichung zu überprüfen und zu evaluieren.

Stadt- und Raumplaner als Klimaschutzmanager
Stadt- und Raumplaner erhalten im Rahmen ihrer Ausbildung und ihrer praktischen Tätigkeit grundsätzlich Einblicke in die technische Infrastruktur und einen zeitgemäßen Städtebau. Klimaschutz und Bauleitplanung, Energieeffizienz im Gebäudebestand, Energiekonzepte für Städte, Gemeinden und Quartiere sind bestehende Begrifflichkeiten aus diesen beiden Disziplinen, die sie zunehmend fachlich betreffen. Planer legen beispielsweise durch ihre Entscheidung zur Errichtung von zentralen Nahwärmekonzepten den Grundstein für eine flexible und dem Quartier angepasste Energieversorgung. Planer entscheiden durch die Ausrichtung von Gebäuden in Bebauungsplänen mit, inwieweit die Gebäude energetisch effizient sind. Planer legen durch die Wahl der Bauform (bspw. Ein- oder, Mehrfamilienhaus, Doppel- oder Reihenhaus) den Grundstein für die Kompaktheit der Gebäude und somit für ein günstiges AV-Verhältnis. Förderlich ist auch, dass „Planerkarrieren“ zunehmend Moderations- und Kommunikationsfähigkeiten benötigen, die für Klimaschutzmanager notwendig sind.

Das Klimaschutzkonzept wird umgesetzt: Aktuelle Projekte in Bad Hersfeld

Bürgersolarpark Bad Hersfeld
Ein weltweit agierender Internetbuchhändler errichtete 2009 autobahnnah ein neues Logistikzentrum. Auf dem neuen Betriebsgelände wurden unter Federführung der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Bad Hersfeld mbH mehr als 75 nachgeführte Sonnensysteme (Solarbäume) mit einer Leistung von ca. 630 kWp errichtet. Mit dieser Nennleistung können bis zu 250 Haushalte mit Strom versorgt werden. Es handelt sich bei der Finanzierungsform um personalisierte Anlagen (Bürgersolaranlagen).

Foto: Bürgersolarpark auf einem FirmenparkplatzDer Solarpark ging im September 2009 ans Netz. Weitere Photovoltaik-Projekte werden aktuell in Abstimmung mit dem Klimaschutzbeauftragten sowohl auf kommunalen als auch privaten Flächen durchgeführt. Seine Aufgabe ist hier unter anderem die Begleitung der planungsrechtlichen Genehmigung, die Vermittlung geeigneter Flächen in Abstimmung mit dem Fachbereich Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalpflege sowie die Vernetzung mit dem kommunalen Energieversorger, den Stadtwerken Bad Hersfeld GmbH. So sind aktuell mehrere Projekte mit einer Nennleistung von bis zu 4 MWh in der Projektierung.

Energetisches Altbausanierungsprogramm „Bad Hersfeld saniert sich“
Mitte letzten Jahres startete als zweites Umsetzungsprojekt das energetische Altbausanierungsprogramm „Bad Hersfeld saniert sich“ mit einem Investitionsvolumen von 250.000 Euro für die nächsten 18 Monate. Gefördert werden Voll- und Teilsanierungen sowie besonders ambitionierte Sanierungen mit Bezug auf die EnEV 2007. Private Hauseigentümer von Gebäuden mit bis zu fünf Wohneinheiten können Anträge zu einer Förderung stellen, die sich zwischen 2.250 Euro (Teilsanierung, mindestens 40 Prozent Reduktion des Heizwärmebedarfs) und 7.000 Euro (besonders ambitionierte Sanierung, Energiestandard besser als KfW 70-Effizienzhaus) bewegt. Voraussetzung ist, dass das Gebäude vor dem 1.1.1984 bezugsfertig errichtet wurde. Diese Gebäude machen nach Aussagen des kommunalen Klimaschutzkonzepts in Bad Hersfeld etwa 85 Prozent des gesamten privaten Wohngebäudebestands aus und sind vor der zweiten Wärmeschutzverordnung errichtet worden. Um das Programm in die öffentlichkeit zu bringen, wurden unter anderem der Hauseigentümerverband Haus und Grund sowie die Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg aktiviert. Der Klimaschutzmanager ist für die Erstellung und Durchführung des Programms, die Abwicklung des Antragswesens sowie für die Programmevaluation zuständig. Er arbeitet hier auch eng mit den lokalen BAFA-Energieberatern zusammen. Die Stadt unterstützt aktuell etwa 30 Sanierungen (Stand April 2010).

Energieeffizientes Sanierungskonzept für kommunale Liegenschaften
Kommunen sind Vorbilder! Daher sind die kommunalen Liegenschaften ebenfalls zentrale Handlungsfelder von Klimaschutzmaßnahmen. Aktuell wird die Sanierung einer 27 Wohneinheiten umfassenden Siedlung von Sinti und Roma auf einen Neubaustandard gemäß der EnEV 2007 vorbereitet. Diese soll noch in diesem Jahr durchgeführt werden. Eigentümerin ist die Wohnungsbaugesellschaft GWH, die Stadt Bad Hersfeld tritt als Mieter auf. Bei den 27 Einfamilienhäusern handelt es sich um nicht unterkellerte Typenhäuser in Fertigbauweise/Plattenbau mit Beton-Sandwichplatten. Die Dacheindeckung besteht aus Welleternit. Die Heiztechnik (ölkessel je Gebäude) ist teilweise veraltet. Die Siedlung befindet sich in einer Insellage am Stadtrand von Bad Hersfeld. Die ursprünglich geplante Errichtung eines Nahwärmekonzepts für die Siedlung (Pellets-Heizzentrale mit 104 kW Nennleistung) konnte aufgrund miet- und sozialrechtlicher Hemmnisse nicht umgesetzt werden, so dass die Gebäude wieder durch Einzellösungen beheizt werden (öl-Brennwertkessel). Weiterhin wurden acht Wohneinheiten in zwei Mehrfamilienhäusern energetisch auf Neubaustandard gebracht und hiermit 63 Prozent Kohlendioxid eingespart.

Klimaschutzbegleitmaßnahmen: Bürgerinnen und Bürger mitnehmen und Marketing betreiben
Das Thema öffentlichkeitsarbeit ist ein zentraler Baustein der bisherigen Aktivitäten im Bereich des kommunalen Klimaschutzes. Aufgabe des Klimaschutzmanagers ist hier, inhaltliche Unterstützung zu leisten. Zielrichtung der Aktivitäten im Bereich der öffentlichkeitsarbeit ist die Sensibilisierung einer möglichst breiten Akteursschicht.

Energie-Treffs Bad Hersfeld
Die Energie-Treffs Bad Hersfeld sind eine monatliche Veranstaltungsreihe in der sogenannten „Eishockeysaison“ von Herbst 2009 bis Frühjahr 2010. Hier kooperiert die Stadt mit der der Hessischen Energiespar-Aktion, der Verbraucherzentrale Hessen e.V. und den BAFA-Energieberatern. Themen waren bisher Stromsparen im Haushalt, Richtig Heizen - Richtig Lüften, Energieberatung, Heizen mit Holz, Photovoltaik und Solarthermie. Die Veranstaltungen sind mit regelmäßig 40-50 Interessierten gut besucht.

Bad Hersfelder Energie- und Klimatage
Diese nichtkommerzielle Messeveranstaltung fand am 12. und 13. Februar 2010 statt.

Foto: Energie- und Klimatage in Bad HersfeldMit mehr als 3.000 Besuchern waren die Energie- und Klimatage sehr gut besucht. An etwa 30 Ständen und vier Ausstellungen konnten sich die Besucherinnen und Besucher über moderne Heiz- und Lüftungstechnik, Wärmedämmung und regenerative Energieversorgung informieren. Neutrale Beratungsangebote und Vorträge flankierten die Veranstaltung. Absolutes Highlight war ein Vortrag zum Thema „Gut gedämmt ist halb geschimmelt?“, der über 200 Zuhörerinnen und Zuhörer fand. Die bundesweite Ausstellung „Unser Haus spart Energie“ wurde über die Energie- und Klimatage hinaus noch ein Woche lang präsentiert und in den Schulunterricht speziell von 8. und 9. Klassen eingebunden. Die Bad Hersfelder Energie- und Klimatage wurde in Kooperation mit den Stadtwerken Bad Hersfeld GmbH und der Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg durchgeführt und seitens des Klimaschutzmanagers organisiert. Erreicht wurde die öffentlichkeit durch eine breite Informationskampagne via Flyer, Presseartikel und einer eigenen Messezeitung.

Energiesparkampagne mit der regionalen Tageszeitung
„Der Klimaschutzbeauftragte rät“ - diese Kampagne mit der Hersfelder Zeitung fand im Herbst 2009 statt. Der Klimaschutzmanager informierte innerhalb von drei Monaten regelmäßig über die Möglichkeiten, im eigenen Haushalt Energie und Wasser zu sparen sowie Schimmel an den eigenen vier Wänden zu vermeiden. Diese Kampagne wird aktuell über die Stadtwerke Bad Hersfeld GmbH im Rahmen des Szeneblatts „Printzip“ (monatliches Veranstaltungsmagazin im Verbreitungsraum Osthessen) fortgeführt.

Ausbau der Energieberatung vor Ort – Einrichtung eines Energiestützpunktes der Verbraucherzentrale Hessen
Die neutrale Information und Beratung in Kooperation mit der Verbraucherzentrale Hessen ist ein weiterer Beratungsbaustein. Seit Februar 2010 ist ein Energiestützpunkt der Verbraucherzentrale Hessen in Bad Hersfeld eingerichtet. Zielgruppe sind grundsätzlich alle Verbraucherinnen und Verbraucher. Hier erhalten Interessierte eine produkt- und anbieterneutrale Beratung. Die Beratung findet jeden Donnerstag statt und dauert bis zu 45 Minuten. Die bisherigen, seit Mitte Februar angebotenen Beratungstermine waren und sind stets ausgebucht. Bis Ende April nehmen etwa 30 Ratsuchende eine Energieberatung wahr. Schwerpunkte sind der bauliche Wärmeschutz, moderne Heiztechnik sowie der Einsatz erneuerbarer Energien und Strom sparen im Haushalt. Der Klimaschutzbeauftragte übernimmt die Terminkoordination und die öffentlichkeitsarbeit in Abstimmung mit der Verbraucherzentrale Hessen.

Klimaneutralität – Kompensation von CO2-Emissionen
„Klimaneutrale" Produkte oder Gebäude sind für Kommunen und Unternehmen immer gleichzeitig ein Klimaschutz- und Kommunikationsinstrument. Für das Klima spielt es keine Rolle, wo schädliche Gase freigesetzt werden. Ausschließlich die Menge entscheidet über die verursachten Schäden. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, unvermeidliche Treibhausgasemissionen durch Klimaschutzmaßnahmen an einem anderen Ort zu neutralisieren. Zugleich ist die CO2-Kompensation ein freiwilliges Instrument, mit dem durch die Aktivierung privaten Kapitals zusätzliche Klimaschutzerfolge, insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern erzielt werden können.

Im Zielfokus stehen für die Kreisstadt Bad Hersfeld im ersten Schritt die kommunalen Liegenschaften sowie Liegenschaften im Geschäftsbereich der Stadtwerke Bad Hersfeld GmbH. Diese werden in der Folge genannt:

  • Fünf Rathäuser der Kreisstadt Bad Hersfeld
  • Vitalis-Klinik
  • Kurbad-Therme
  • Freizeitbad AquaFit
  • Freizeitbad Geistal
  • Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Bad Hersfeld GmbH

Der Wärmeverbrauch der Liegenschaften liegt etwa bei 11 Millionen kWh/Jahr (Bad Hersfeld insgesamt 340 Millionen kWh/Jahr, Quelle Stadtwerke Bad Hersfeld GmbH, Stand 2008)). Kompensiert werden 2.765 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr.

Die Kompensation der unvermeidlichen Kohlendioxidemissionen dieser Gebäude erfolgt an anderer Stelle. Ausgewählt wurde ein Projekt in Brasilien, die Kompensation ermöglicht es, Energieeffizienzmaßnahmen in einer Keramikfabrik umzusetzen und die regionale Wirtschaft sowie Arbeitsplätze dort vor Ort zu sichern.

Nachdem im ersten Jahr vornehmlich das Thema „Wie mache ich Klimaschutz dem privaten Verbraucher schmackhaft“ auf der Agenda stand, geht Bad Hersfeld zukünftig auf die Handel- und Gewerbetreibenden zu, welche gemäß dem Klimaschutzkonzept ebenfalls sehr hohe Energieverbräuche mit hohen CO2-Emissionen haben. Hierzu werden zum Herbst 2010 geeignete Kampagnen gestartet, die aktuell in der Vorbereitung sind. Kooperationspartner sind hierbei sicherlich die Industrie- und Handelskammer, die Kreishandwerkerschaft und der lokale Stadtmarketingverein. Weiterhin gilt es nun, die angestoßenen Klimaschutzprojekte und Begleitmaßnahmen zu verstetigen und das neue Themenfeld Straßenbeleuchtung in Angriff zu nehmen.

Ansprechpartner: Dipl.-Ing. Guido Spohr
Telefon: 06621 16617
E-Mail: spohr@stadtwerke-hef.de

Basis für die Förderung von Klimaschutzmaßnahmen ist die vom Bundesumweltministerium erlassene „Richtlinie zur Förderung von Klimaschutzprojekten in sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen im Rahmen der Klimaschutzinitiative“.

Bitte beachten Sie, dass sich durch Novellierungen der Richtlinie teilweise Änderungen im Hinblick auf die Förderbedingungen ergeben haben.

Bei Fragen wenden Sie sich gern an:
„Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz“ beim Deutschen Institut für Urbanistik
Telefon: 0221 34030815
E-Mail: kontakt@kommunaler-klimaschutz.de
Internet: http://www.kommunaler-klimaschutz.de

© Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz beim Difu (April 2010)

 
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