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Interview mit dem Klimaschutzmanager von Osnabrück
Die Bewilligung des Förderantrags zur Einstellung eines Klimaschutzmanagers traf im März 2009 in Osnabrück ein. mehr
Nach dem Erhalt der Förderzusage hat die Stadt Osnabrück einen Klimaschutzmanager zur beratenden Begleitung bei der Umsetzung ihres Klimaschutzkonzeptes gesucht und mit Andreas Winterkemper auch den richtigen Klimaschutzfachmann gefunden. Seit dem 15. Oktober 2009 ist er in Osnabrück tätig. Die „Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz" hat ihm bei der Arbeit über die Schulter geschaut und ihm ein paar Fragen gestellt.
Welche Qualifikation im Bereich Klimaschutz war Voraussetzung für die Übernahme der Aufgabe?
Laut Stellenausschreibung der Stadt Osnabrück waren als fachliche Anforderungen ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Umwelt- oder Ingenieurwissenschaften mit dem Schwerpunkt Energie/Erneuerbare Energien oder eine gleichwertige Studienrichtung mit entsprechender mehrjähriger Berufserfahrung für die Tätigkeit des Klimaschutzmanagers gewünscht.
Aber nicht nur fachliche Qualifikationen sind für die Umsetzung eines Klimaschutzkonzeptes gefragt, sondern auch soziale Kompetenz, Integrität, Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit sowie Begeisterung für die Aufgabenstellung. Die Umsetzung eines Klimaschutzkonzeptes beinhaltet auch alle Aufgaben eines professionellen Projekt- und Prozessmanagements. Hierfür benötigt ein Klimaschutzmanager Kenntnisse im Bereich der Moderation, der Kommunikation, des Marketings und sollte auch strategisch und konzeptionell arbeiten können. Zudem muss er ein gewisses Maß an Konfliktregelungsvermögen mitbringen, ein Gespür für Situationen haben und gerne mit Menschen zusammenarbeiten.
Meine interdisziplinäre Hochschulausbildung zum Stadt- und Raumplaner, meine gewerblich-technische Erstausbildung, mehrjährige berufliche Erfahrungen in den Aufgabenfeldern Klimaschutz, Stadterneuerung, Beschäftigungsförderung und Wirtschaftsförderung, gaben den Ausschlag dafür, dass ich diese reizvolle und spannende Aufgabe im Fachbereich Umwelt der Stadt Osnabrück übernehmen durfte.
Was genau sind die Aufgaben eines Klimamanagers? Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Der Klimaschutzmanager ist der zentrale Ansprechpartner bei der Vorbereitung und Steuerung einzelner Maßnahmen aus dem Maßnahmenpaket zur CO2-Reduzierung in Osnabrück. Neben der Vorbereitung einzelner Projekte koordiniere ich auch die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten sowie das Gesamtprojekt. Informations-, Schulungs- und Vernetzungstätigkeiten sowie der Austausch mit potenziellen Projektpartnern und Akteuren runden das Aufgabenprofil ab. Konkret lässt sich der Arbeitsalltag mit einigen Stichworten beschreiben:
- Projektentwicklung und -steuerung
- Informations- und Öffentlichkeitsarbeit
- Beratung
- Fördermittelmanagement
- Netzwerkarbeit
- Projektdokumentation
Zurzeit arbeite ich an mehreren Projektskizzen und an einer Handlungsstrategie für die Vorbereitung der Umsetzung einzelner Projekte aus dem Maßnahmenpaket. Hierzu tausche ich mich mit Mitarbeitern in der Stadtverwaltung und mit potenziellen Projektpartnern aus und unterstütze klimaschutzrelevante Aktionen und Kampagnen in der Stadt Osnabrück. Beispielsweise beteilige ich mich an der öffentlichkeitswirksamen Kampagne „Klimaschoner gesucht“ der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Osnabrück AG. Mit Zeitungsanzeigen und Plakaten sollen Bürger zum Umstieg auf den ÖPNV motiviert werden. Die direkte Zusammenarbeit mit den Verkehrsbetrieben dient wiederum der Vorbereitung für eines der vorgeschlagenen Projekte aus dem Klimaschutzkonzept. Hier sind insgesamt 122 Klimaschutzmaßnahmen für die Stadt Osnabrück aufgelistet, von denen 12 Maßnahmen zur weiteren Umsetzung vorgeschlagen wurden. Für die Vorbereitung einzelner Projekte, die mit Projektpartnern gemeinsam entwickelt werden sollen, besuche ich auch schon mal eine Fachveranstaltung und tausche mich dort fachlich mit Vertretern anderer Kommunen aus.
Welche weiteren Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept von Osnabrück haben denn aktuell oberste Priorität für Sie? Und auf welcher Grundlage (Ratsbeschluss etc.) werden die Maßnahmen angegangen?
Priorität haben für mich zurzeit die Entwicklung einer Handlungsstrategie zur Umsetzung des Gesamtpaketes sowie die Umsetzung von zwei Leitprojekten. In der Handlungsstrategie wird skizziert, in welchen zeitlichen Abständen einzelne vorgeschlagene Maßnahmen umgesetzt werden können und wie hoch in etwa die finanziellen und personellen Ausstattungen einzelner Projekte sein werden.
Immer dann, wenn die Stadt Osnabrück selbst finanzielle Mittel für die Umsetzung einzelner Projekte bereitstellen muss, werden entsprechende Ratsbeschlüsse herbeigeführt. Die Handlungsstrategie bildet die Grundlage für die Arbeitsplanung für den gesamten dreijährigen Projektzeitraum, lässt aber auch Möglichkeiten zur Steuerung des Gesamtprozesses zu.
Gibt es auch schon Aufgaben, die sich in der konkreten Umsetzung befinden? Und was genau ist ihr Beitrag dazu?
Die Umsetzung einzelner Maßnahmen aus dem umfangreichen Paket zur CO2-Reduzierung hängt von deren Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit, vom Willen und Engagement einzelner Akteure ab. Vor einer städtischen Beteiligung an einem Projekt müssen politische Beschlüsse auf Seiten der Stadt herbeigeführt werden.
An oberster Stelle steht für mich die Umsetzung der beiden Leitprojekte. Das erste Leitprojekt „Gründung einer Quartiersentwicklungs-Kooperation“ befindet sich derzeit noch in der Entwicklung. Nach der abschließenden Erstellung einer aussagekräftigen Projektskizze, einem vorherigen Austausch mit Mitarbeitern aus anderen Fachbereichen und potenziellen Projektpartnern wird überprüft werden, ob dieses Projekt realisierbar ist. Vor dem Start eines solchen Projektes benötigen wir beispielsweise einen politischen Beschluss.
Konkret befinden sich zwei Maßnahmen in der Umsetzung. Zum einen das zweite Leitprojekt „Energieeinsparmanagement in finanziell schwachen Haushalten“ und dann das „Förderprogramm Erdgas als Kraftstoff“, welches von den Stadtwerken Osnabrück AG umgesetzt wird.
Über dieses Förderprogramm erhalten private Kunden der Stadtwerke nach dem Kauf eines Erdgas-Neufahrzeuges mit Serientechnik einen Tankgutschein (in Form eines Erdgas-Sparbuches) im Wert von 500 kg Erdgas. Gewerbekunden erhalten ein Sparbuch in Höhe von 750 kg Erdgas.
Mein Anteil an diesen Projekten besteht in der Begleitung und Projektsteuerung. Beispielsweise konnte ich anregen, dass für das genannte Leitprojekt ein türkisch sprachiger Stromsparhelfer ausgebildet wurde. Dadurch können einkommensschwache Haushalte mit türkischem Migrationhintergrund beim Stromsparen unterstützt werden. So gibt es nun immer wieder einen Informationsstand im Stadthaus, denn hier ist ein zentraler Anlaufpunkt für viele Menschen mit geringem Einkommen. Ein bis zwei Stromsparhelfer und die Projektleitung versuchen, mittels einer direkten Kundenansprache und durch Beratung, weitere Haushalte, die Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Wohngeld beziehen, von einer Teilnahme an diesem Projekt zu überzeugen. Mit dieser Beratungstätigkeit vor Ort geben wir diesem Projekt menschliche Gesichter und Lebendigkeit!
Ein wichtiger Aspekt Ihres Arbeitsgebietes ist auch der Aufbau von Netzwerken. Wie muss man sich das genau vorstellen? Gibt es hier bereits Kontakte, z.B. in Form einer Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen?
Meiner Meinung nach, sind der Austausch und die Zusammenarbeit mit allen am Klimaschutz interessierten Akteuren und Menschen die Basis für eine erfolgreiche lokale Klimaschutzarbeit.
So war es nach dem Projektstart im Oktober 2009 auch mein Anliegen, dass ich vom Oberbürgermeister der Stadt, Herrn Pistorius, in Form eines gemeinsamen Pressegespräches offiziell den Osnabrücker Medien vorgestellt wurde. Dieses Pressegespräch haben wir gemeinsam mit der Caritas in den Räumlichkeiten des Projektpartners AGOS (AGOS = ArbeitGemeinschaft für Osnabrück – ist in Osnabrück zuständig für die Grundsicherung für Arbeitssuchende/Sozialgesetzbuch SGB II) durchgeführt. Nach diesem Termin fanden Gespräche mit Vertretern der örtlichen Wirtschaft, der Handwerkskammer und mit dem Projektpartner Stadtwerke Osnabrück AG statt.
Da Klimaschutzarbeit immer querschnittsorientiert und fachübergreifend ist, fanden zudem interne Gespräche mit städtischen Mitarbeitern aus den Fachbereichen Immobilien- und Gebäudemanagement, Städtebau sowie Soziales und Gesundheit statt. Diese Gespräche dienten einer ersten Bestandsaufnahme nach dem Projektstart und waren für die Entwicklung erster Ideen und für vorbereitende Überlegungen zur Umsetzung einzelner Projekte sehr wichtig. Ein Klimaschutzmanager, der die Strukturen in einer Verwaltung noch nicht kennt, kann von den Erfahrungen und Ratschlägen einzelner Kollegen und unterschiedlicher Akteure und Partner viel lernen. Bereits vorhandene Ansätze können ggf. übernommen und weiter geführt werden. Man muss das Rad nicht jedes Mal neu erfinden!
Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung eines Klimaschutzkonzeptes ist das Miteinander aller Beteiligten für ein gemeinsames Ziel. Die Netzwerkarbeit steht daher unter dem Motto „Klimaschutz in Osnabrück – gemeinsam handeln“.
Ansprechpartner: Andreas Winterkemper
Telefon: 0541 323 3126
E-Mail: winterkemper@osnabrueck.de
Das Klimaschutzkonzept der Stadt Osnabrück finden Sie hier
Basis für die Förderung von Klimaschutzmaßnahmen ist die vom Bundesumweltministerium erlassene "Richtlinie zur Förderung von Klimaschutzprojekten in sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen".
Bitte beachten Sie, dass sich durch Novellierungen der Richtlinie teilweise Änderungen im Hinblick auf die Förderbedingungen ergeben haben.
Bei Fragen wenden Sie sich gern an:
„Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz" beim Deutschen Institut für Urbanistik
Telefon: 0221 34030815
E-Mail: kontakt@kommunaler-klimaschutz.de
Internet: www.kommunaler-klimaschutz.de.
© Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz beim Difu (März 2010)







